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Rückblick Tagung Brunnen 2015 – Von Menschen und Wirkungen

Die Brunnentagung widmete sich dem Thema Wirkung. Wie wird die Wirkung von sozial- oder sonderpädagogischen Massnahmen oder von einer Platzierung «gemessen» oder in Erfahrung gebracht? Welche Ziele streben wir als «ideale Wirkung» an?

Das «Ideal» Familie

Um die Wirkung zu messen, braucht es ein «ideales Ziel», an dem man sich orientiert, einen Werterahmen. Woran orientieren sich die Beteiligten in der Jugendhilfe in ihrer Arbeit? Was erachten sie als eine gute Kindheit? Das Aufwachsen im Kreis einer Familie wird – gemäss Prof. Doris Bühler - höher gewertet als andere Werte (beispielsweise Freundschaften), es wird idealisiert. Aus einer Studie in Deutschland geht hervor, dass das Kind in Berichten über Platzierungsentscheide eine erschreckend geringe Rolle spielt und seine Partizipation häufig ein hehres Ziel bleibt. Das Kind bleibt quasi unsichtbar. Inwiefern das Kindswohl gefährdet ist, kommt in den Berichten der platzierenden Stellen selten klar zum Ausdruck.

Kein Abschluss ohne Anschluss, das ist die Programmatik seit Beginn der 1990er-Jahre in der Berufsbildung, eine Diskussion über die Gelingensbedingungen der Übergänge findet aber kaum statt. Prof. Dorothee Schaffner hinterfragt diese Maxime. Sie hat in einem Vergleich die Aussagen von SozialpädagogInnen und SonderpädagogInnen untersucht. Dabei kommen unterschiedliche Zielsetzungen und Denkweisen zum Ausdruck: in der Tendenz fokussieren Sozialpädagogen auf die sozialen Umstände, Sonderpädagogen legen das Augenmerk auf die «Probleme» des Kindes und mehr Gewicht auf die berufliche Integration, also auf Übergänge mit Anschluss.

Qualitative versus psychometrische Messungen von Wirkung

Am zweiten Tagungstag wurden qualitative (Thomas Gabriel und Samuel Keller von der ZHAW) und standardisierte, psychometrische Messungen von Wirkung (Marc Schmid von der Kinder und Jugendpsychiatrischen Klinik UPK Basel) vorgestellt. In einem Podium wurde die Frage diskutiert: Konkurrenzieren sich diese Methoden oder Ergänzen sie sich? In qualitativen Befragungen offenbart sich der grosse Einfluss der Heimplatzierung auf die Lebensläufe. Wirkung zu messen, wenn es um Lebensverläufe geht ist aber komplex. Unter wachsendem Kostendruck besteht die Gefahr, dass «fachfremde Logiken» dazu benutzt werden, beispielsweise aus der Ökonomie ein allzu vereinfachendes Kosten-Nutzen-Kalkül, das zudem unmöglich zu berechnen ist.

Besseres Image - bessere Wirkung

Was wirkt sich sonst noch, auf die Einschätzung der Wirkung von Heimen und Sonderschulen aus?  Heime und Schulen genauso wie die sozial- und sonderpädagogische Arbeit wirken «besser», wenn ihr Image gut ist. Wie letztes Jahr widmeten wir uns auch dieses Jahr am letzten Tag in Brunnen der Kommunikation und der öffentlichen Wahrnehmung von Heimen. Deana Gariup von der Agentur CrKommunikation erinnerte daran, die Öffentlichkeitsarbeit an die Zielgruppen anzupassen und unterstrich die Notwendigkeit aktiv zu werden, um das Image der Heime zu verbessern. Denn demnächst kommt das Gesetz über die Wiedergutmachung in das eidgenössische Parlament. Die Heime werden dann in den Medien ein Thema sein, ob sie es wollen oder nicht. Es liegt in unserem Interesse, diese Kommunikation positiv zu prägen und vorbereitet zu sein.

Vom Wiegen wird das Schwein nicht fett

Zum Abschluss stellte sich die Frage: Warum stellt sich die Frage nach der Wirkung? – sie zeugt von einem Misstrauen gegenüber dem Berufsstand. Doch die «Wirkung» zu messen und zu beurteilen, sagt nichts über die Qualität des gewählten Zieles aus. Prof. Peter Hansbauer erläuterte diese Überlegungen im abschliessenden Referat auf anregende und unterhaltsame Art. Ein zunehmendes Sicherheitsbedürfnis habe dazu geführt, dass die Vertrauenslücke (gegenüber der Arbeit in den Institutionen) mit Regeln überbrückt wird. Aber Wirkung, oder Wirksamkeit sei wohl das falsche Wort in Zusammenhang mit der pädagogischen Arbeit. Doch kann eine vorsichtige Dokumentation davon, was man wie tut und warum, diese Arbeit legitimieren.

Die Tagungs-Broschüre kann unter Publikationen bestellt werden. Sie erscheint im Februar 2016. Tagungsteilnehmer erhalten die Broschüre zugeschickt.