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Tagung Plattform Fremdplatzierung 2021

«Gib mir mein Handy zurück du Arsch!»
Beziehungsarbeit im digitalen Zeitalter zwischen Autonomie, Schutz und Privatheit

26. Januar 2021, Online-Tagung ZOOM
Anmeldeschluss: 21. Januar 2021
 

Aufgrund der aktuellen Pandemie-Entwicklung wird die Tagung virtuell und im Halbtagesformat durchgeführt – wahlweise am Vormittag oder am Nachmittag.

 

Kann man sich heute in der sozialen Welt verorten, ohne online zu gehen? Für eine breite Masse der Gesellschaft ist es unvorstellbar, denn seit der Jahrhundertwende hat sich das Leben massgeblich in die virtuelle Welt und somit in eine neue Form von Öffentlichkeit ausgeweitet. Für junge Menschen, die zu den «digital natives» zählen, stellen Internet und neue Medien wesentliche Elemente der Jugendkultur dar.

Auch die Kinder- und Jugendhilfe muss sich mit dieser neuen Realität auseinandersetzen. Digitale Medien bieten Möglichkeiten, die Beziehungsarbeit und «professionelle Zusammenarbeit» mit Eltern, Kindern und Jugendlichen neu zu gestalten und sich mit neuen sozialen Räumen über die Heimgrenze hinaus in Verbindung zu setzen. Dies erfordert eine Auseinandersetzung mit Fragen zur Autonomie im Spannungsfeld zwischen Schutz und Privatheit.

An der Tagung Fremdplatzierung 2021 stellen wir uns die Frage, wie sich digitale Medien auf Beziehungen auswirken. Hierzu fokussieren wir die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen (Pflege-)Eltern, Erziehungsberechtigten, aber auch die dynamische Beziehungsarbeit zwischen den Fachpersonen und dem sozialen Umfeld der Kinder und Jugendlichen. Wir stellen uns die zentrale Frage: Wo müssen Grenzen der Einmischung kritisch diskutiert werden? Was bedeutet dies für den Raum «Heim», der bisher stark als Innenraum konstruiert war?

Wir freuen uns darauf, an der Tagung gemeinsam über diese wichtigen Chancen und Herausforderungen nachzudenken.

Programm

 

Referate

Aufbau einer Identität in einer vernetzten Welt: Was ist der Zusammenhang zwischen Autonomie und Vertrauen im digitalen Zeitalter? – Claire Balleys – Präsentation

Der Stellenwert von Bildschirmen für die Arbeit mit Familien in Heimeinrichtungen. Reflexionspfade und praktische Beispiele – Carole Barraud Vial Präsentation

Präsentation mit Ergebnissen der Umfrage «Die Verwendung von digitalen Medien in der Kinder- und Jugendhilfe» – IntegrasPräsentation

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2020

Wie bringt man «Bientraitance» und Fremdplatzierung zusammen?

21. Januar 2020, Casino Bern, Casinoplatz 1, 3011 Bern
Ab Hauptbahnhof: 10 Minuten zu Fuss oder Tram 7/8/9/10/12/19 bis «Zytglogge»

 

«Bientraitance» meint die gute Praxis zur Sicherung der Interessen und Rechte von Kindern. Ziel ist es, ein tragfähiges und anregendes Klima zu schaffen, welches den seelischen, körperlichen und geistigen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht wird und in ihrer Entwicklung fördert. Es geht um das Wohl des Kindes und darum «Maltraitance» zu vermeiden.

Hohe Qualitätsansprüche in der Betreuung und Begleitung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Fremdplatzierung stellen eine sehr wichtige ethische Grundlage des Handelns dar (z.B. Quality4children Standards). Dass es diese braucht, darauf verweisen nicht nur aktuelle Forschungsergebnisse, sondern auch die öffentlich gewordenen Fälle von «Maltraitance». Die Geschichte lehrt uns auch, dass «Bientraitance» rückblickend bisweilen auch als «Maltraitance» bewertet werden kann. Doch wie gelingt die Orientierung an diesem ethisch anspruchsvollen Ziel im Kontext der Fremdplatzierung? Und wer trägt im Kontext der Fremdplatzierung wie dazu bei?

Tagungsprogramm

Referate

Die Ausrichtung auf das Gemeinsame im Kontext eigenwilliger Differenz. Historische Perspektiven zur Profilierung von «Bientraitance» in Sozial- und Sonderpädagogik – Gisela Hauss – PräsentationReferat

«Bientraitance» im Rahmen des Beurteilungs-, Entscheidungs- und Überwachungsprozess bei Kindern und ihren Familien – Wanda Suter – Präsentation

Die Sichtweise und Erfahrungen von Kinder und Jugendlichen auf die Heimerziehung. Kinder und Jugendliche, Expert*innen der Heimerziehung im Gespräch – Fondation F. L. Borel – Präsentation PRISMAReferat

Rechte und Interessen aus Perspektive von Care Leavern? Rückblickende Gedanken zu Erfahrungen in der Heimerziehung – Angela Rein – Präsentation

«Bientraitance» im Platzierungsprozess zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Philipp Späni – PräsentationReferat

 
Mentimeter: Das Live-Feedback zur Tagung

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2019

Familienarbeit - Nicht einfach, aber einfach wichtig!

29. Januar 2019, Hotel National, Bern

 

Kinder haben ein Recht auf seelische Bindung zu ihren Eltern und oder zu weiteren Familienangehörigen – unabhängig davon, ob diese Bindungen und die damit verbundenen Erfahrungen funktional sind oder nicht. Die Arbeit mit den familiären Bezugspersonen ist für Kinder- und Jugendheime sowie für Pflegefamilien unverzichtbar, auch wenn die Voraussetzungen dazu oftmals herausfordernd sind. Familienarbeit ermöglicht es unausgesprochene Konflikte anzusprechen und zu bearbeiten und die Eltern darin zu stärken, Partner im Erziehungsprozess zu sein oder zu werden. Die Plattform Fremdplatzierung 2019 bietet Gelegenheit innovative Ansätze kennenzulernen sowie bewährte Konzepte und Methoden in der Familienarbeit zu reflektieren.

Programm

Referate / Conférences

Partizipation und Demokratie in der Heimerziehung - nicht nur gewollt, sondern auch gekonnt / Participation et démocratie dans l'éducation spécialisée – pas seulement une question de volonté, mais aussi de capacité.  Remi Stork
Referat      Text

Sozialraumorientierung – auch ein Konzept für stationäre Massnahmen? / Espace social - un concept aussi envisageable dans le cadre de mesures stationnaires?   Wolfgang Hinte
Audio    Text

Wirksame Prozesse im Spannungsfeld zwischen Abgabemustern und Elternaktivierung: Von der Notwendigkeit Grenzen neu zu denken / Processus efficients entre modèles de prise en charge et implication des parents: nécessité de repenser les limites.  André Chavanne
Referat   Text

Erwartete Bedeutung und Wirkung der Familienarbeit bei Platzierungen / Sens et effets attendus au travail familial mené lors de placements. Bertrand Martinelli
Referat

Die Stiftung St. Martin, ein Beispiel für ein Entwicklungskonzept / La Fondation St-Martin, exemple d'un concept évolutif.  Thomas Légeret
Referat   Text

Verstrickt oder vernetzt - Systemorientierte Perspektiven in den Hilfen zur Erziehung - Einblicke in eine komplexe und zuweilen komplizierte Praxis / Pêle-mêle ou structuré – dimension systémique des aides éducatives – éclairages sur une pratique complexe et parfois compliquée.   Gabriele Buss
Referat   Text

«Ein guter Kontakt ist wichtig …» Familienarbeit in der Praxis am Beispiel der Stiftung Kinderheim Hubelmatt / «Un bon contact est primordial…» Travail avec les familles à l'exemple de la Fondation Foyer pour enfants Hubelmatt.   Maya Würsch
Referat   Text

 

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2018

(Dis-)Kontinuitäten in der Fremdplatzierung

Dienstag, 23. Januar 2018

 

Die Tagung Plattform Fremdplatzierung 2018 war der Kontinuität, respektive Dis-kontinuität in der Platzierung gewidmet: Fremdplatzierte Kinder und Jugendliche haben oftmals das Schicksal eines diskontinuierlichen Lebenslaufs. Auch die Fremdplatzierung geht naturgemäss mit einem oder mehreren Brüchen einher. Wie lassen sich Erziehungsprozesse so gestalten, dass sie einen stabilisierenden Effekt für die Betroffenen haben? Wie kann einem Kind, einem Jugendlichen ermöglicht werden, die Gründe und Ziele der über sie getroffenen Entscheidungen zu verstehen?

An der Plattform Fremdplatzierung 2018 wurden eine breite Palette von Beiträgen aus Forschung und Praxis zu verschiedenen Aspekten der Kontinuität und Diskontinuität sowie Beispiele innovativer Praktiken aus dem In- und Ausland vorgestellt.

Programm

Referate / Conférences

Kontinuität als pädagogische Schlüsselkategorie - auch in der Fremdplatzierung? - Klaus Wolf

Referat

Transitions familiales ponctuées d’interventions socio-éducatives: quelle protection, quelle participation pour quelle continuité? - Alexandre Balmer

Referat/exposé

Kontinuität in der Fremdplatzierung im Spannungsfeld zwischen Privatheit und Öffentlichkeit - Tobias Studer

Referat Folien  Referat Text

Bedingung- und Gelingfaktoren für Kontinuität in der sozialpädagogisch begleiteten Familienplatzierung von Kindern und Jugendlichen - eine Praxissicht - Sandra Aebersold

Referat

De la théorie à la pratique ou «quand tout est dit, tout reste à faire» - Jean-Marie Villat

Referat/exposé

Bericht Projekt PCI - prise en charge extérieure intensive

Tragfähigkeit oder die Fähigkeit wirkungsvolle Kooperationen einzugehen - Rolf Küng

Referat

Enfants placés, déplacés et replacés: comment mettre de la continuité dans la rupture - Mohamed L‘Houssni

Referat/exposé

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2017

Übergangsbegleitung:
roots to grow and wings to fly?

Fremdplatzierte Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, die das Heim oder ihre Pflegefamilie verlassen, um in ihre Familie zurückzukehren oder in die Selbständigkeit zu gehen, stehen meist vor einem sehr anspruchsvollen Übergang. Wie können wir, Pädagogen und weitere Verantwortliche, diese Kinder und Jugendlichen in diesem Übergang unterstützen? Wie ermöglichen wir, dass die bisherigen Erziehungsmassnahmen des stationären Settings in die neue Situation einfliessen? Diesen Fragen widmete sich die Plattform Fremdplatzierung 2017.

Tagungsprogramm

Referate

Lost in Transition? Biographische Herausforderungen nach stationären Erziehungshilfen - Maren Zeller

» Referat

Übergänge von Care Leavers - auch ein Thema in der Schweiz?
Dorothee Schaffner

» Referat

Herkunftsfamilien in der Fremderziehung - Herausforderungen für die professionellen Dienste - Josef Faltermeier

» Referat und  Text

Projekt Nachbetreuung - Nachhaltichgkeit von Erziehungs- und Bildungsmassnahmen - Beatrice Knecht Krüger und Gomera Gérard

» Referat und  Text

Übergangsbegleitung von Jugendlichen im Kanton Tessin - Raffaele Mattei

» Referat

Stiftung Wäsmeli. Stationäres Angebot, Zusammenarbeit mit der Familie und Übergangsbegleitung - René Rinert

» Referat

Gelingende Prozessgestaltung im Übergang von stationären Massnahmen zur definitiven Entlassung aus jugendstrafrechtlichen Schutzmassnahmen
Donat Ruckstuhl

» Referat und  Text

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2016

Gesucht: Kooperation.
Zur Zusammenarbeit von platzierenden Stellen, Psychiatrie, Heimen

«Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf» heisst ein afrikanisches Sprichwort. Was wird, wenn wir diese alte Weisheit auf fremdplatzierte Kinder übertragen? Studien belegen, dass bis zu 75% der fremdplatzierten Kinder und Jugendlichen traumatisiert sind. Diese Kinder und Jugendlichen fordern mit ihrem Verhalten die Professionellen heraus und evozieren immer wieder neue Strategien und Kooperationen, damit eine Platzierung Erfolg haben kann.

Tagungsprogramm

Referate

Kinder und Jugendliche in gesellschaftlichen Änderungsprozessen: Welche Begleitung, Erziehung, Hilfe und Pflege?
Jean-Paul Gaillard

Interdisziplinarität und Professionalität - Wie interdisziplinäre Zusammenarbeit gelingen kann
Diana Wider

Traumapädagogik oder «Haltung ist die Methode»
Ute Ziegenhain

Von den Rahmenbedingungen bis hin zur Schaffung eines Raumes des Werdens
Hélène Beutler

Kindgerechtes Rechtssystem - Platzierungen: Was Kinder uns fragen
Karin Zollinger

Ausblick: Der «kategorische Kooperativ» der Kinder- und Jugendhilfe
André Woodtli

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2014

Fremdplatzierung
... denn wir wissen was wir tun

Zuweisende Stellen und aufnehmende Einrichtungen beeinflussen gemeinsam den Halt und die Verlässlichkeit, welche fremdplatzierte Kinder und Jugendliche erfahren können. Verschiedene Bedingungen beeinflussen die Stabilität der Interventionen. Am Anfang steht immer eine Entscheidung. Wie können diese Entscheidungen klug getroffen werden und welche weiteren Faktoren müssen für eine gute Fremdplatzierung berücksichtigt werden?

Hilfreich für die Auseinandersetzung sind Ausführungen aus dem von Integras neu aufgelegten «Leitfaden Fremdplatzierung». An dieser Tagung stellen wir zwei Beiträge aus der neuen Publikation vor, die fachliche Grundlagen liefern, um Fremdplatzierungsprozesse professionell zu gestalten, und dabei die Entwicklungsbedingungen von fremdplatzierten Kindern und Jugendlichen im Blick behalten. Zwei Referate zeigen auf, was konkret in Einrichtungen getan wird, um die Tragfähigkeit zu erhöhen.

Gutes fachliches Handwerk und eine hohe Ethik sind das eine, das Zimmern des Rahmens um dies umzusetzen das andere. Zwei Referate loten die verschiedenen Rahmenbedingungen aus, die von Leitungspersonen der Kinder- und Jugendhilfe zu gestalten sind, und beleuchten die gesellschaftlichen Einflussfaktoren.

Wissen wir was wir tun? Es ist schon sehr viel gewonnen, wenn wir es gut begründen können, insbesondere wenn die Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen geteilt werden muss zwischen zuweisenden und aufnehmenden Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie den Eltern.

Referate

Das Geheimnis kluger Entscheidungen
Nicole Bruggmann

Kinder und Jugendliche platzieren
Stefan Blülle

Soziale Aufgaben gestalten
Andrea Mauro Ferroni

Psychisch belastete Heimkinder
Kooperation zwischen Sozialpädagogik und Kinder- und Jugendpsychiatrie
Marc Schmid

Tragfähigkeit, aber wie?
Beispiel der Stiftung Petitmaître in Yverdon-les-Bains
Claudia Matti

Von der Kooperationsfähigkeit zur Flexibilität
Chantal D. König

Kinder in Gefahr und Normen der Elternschaft:
Eine soziologische Untersuchung hinter den Kulissen des Kinderschutzes
Arnaud Frauenfelder

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2013

Time-out: Not oder Lösung?
Zwischen Stolperstein, Wartezimmer und Sprungbrett

Woran orientieren wir uns, wenn kritische Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen nach einer Lösung verlangen? Wenn Kinder und Jugendliche selber in Gefahr sind oder andere gefährden? Nehmen wir ein Time-out?!

Erstaunlicherweise gibt es kaum breit abgestütztes professionelles Wissen oder Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen unter welchen Bedingungen ein Time-out zum Sprungbrett und nicht zum Stolperstein wird. Wir nutzen die Plattform Fremdplatzierung 2013, um über diese Form der Krisenintervention kritisch nachzudenken und entwicklungsfördernde Faktoren zu erschliessen. Wie begründen wir unser Handeln, wenn Kinder aus einer Situation, ihrem Umfeld herausgenommen werden? Welche Faktoren gilt es abzuwägen, wenn eine Entscheidung zwischen Ausschluss auf Zeit und Beziehungskontinuität ansteht, bei Kindern und Jugendlichen, die eine «Biographie des Abbruchs» mit sich bringen?

Um uns dem Thema anzunähern, richten wir den Blick auf das Aufwachsen von «widerspenstigen» Kindern und erhalten ethische Orientierungshilfen. Im Weiteren liefern uns Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychopathologie und der Traumapädagogik Hinweise auf die Bedürfnisse von Kindern, die immer wieder mit Trennung konfrontiert sind. Da ein Time-out auch als Sanktion für Fehlverhalten eingesetzt wird und von strafenden Massnahmen wie Arbeitsleistungen, gestrichenes Taschengeld, Ausgangsverbot begleitet sein kann, erfahren wir mehr zu den Rahmenbedingungen des Jugendstrafrechtes, des Zivilrechtes und der Kinderrechte. Weitere Anhaltspunkte liefern Anregungen aus der Praxis. Time-out, Time-in und ein Modell der Krisenintervention liefern Anregungen, um unser Handeln fachlich zu überprüfen und weiter zu entwickeln.

Referate

Soziale Kompetenz - Ethische Orientierungshilfen für widerspenstige Kinder
Annemarie Pieper

Kinder und Jugendliche in Krisensituationen - Zwischen erneuter Ausstossung und Beziehungskontinuität
Jörg Fegert

Alles was Recht ist! Jugendstrafrecht
Hans Ueli Gürber

Alles was Recht ist! Zivilrecht und Kinderrecht
Stefan Blum

Aus der Praxis - Time-out-Platzierung: was sie (nicht) ist, kann und soll
Olaf Stähli

Aus der Praxis - Time-in: Eine prüfenswerte Alternative
Daniel Kübler

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2012

Fremdplatzierung: ultima ratio
Was muten wir Kindern und Jugendlichen zu?

Im aktuellen Diskurs wird eine Fremdplatzierung meist als äusserste Massnahme betrachtet. In den Leitlinien für die Fremdbetreuung von Kindern des UNO-Menschenrechtsrates heisst es: «Removal of a child from the care of the family should be seen as a measure of last resort (…).» Die weit verbreitete Haltung, dass eine Fremdunterbringung ein worst case und nur indiziert ist, wenn sämtliche anderen Massnahmen gescheitert sind, hat Auswirkungen auf das Kind, die Herkunftsfamilie, aber auch die aufnehmende Einrichtung. Übersehen wird dabei, dass eine Fremdplatzierung keine Strafe ist, sondern vielmehr eine Chance sein kann? Gerade dann, wenn sie rechtzeitig und freiwillig eingeleitet wird?

Und so stellt sich die Frage: Ist es wirklich immer im Sinne des Kindeswohls, wenn eine Fremdunterbringung ultima ratio ist? An der Plattform Fremdplatzierung 2012 suchen wir nach Antworten und nehmen hierbei die Perspektive von einweisenden und aufnehmenden Institutionen sowie von betroffenen Kindern und Jugendlichen ein. Nebst fachlichen Überlegungen spielen auch gesellschaftliche, politische, finanzielle und juristische Faktoren eine Rolle bei der Suche nach der angemessenen Kindsschutzmassnahme.

Das neue Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, das 2013 in Kraft treten wird, schafft zudem einen neuen gesetzlichen Rahmen. Ob und welche Einflüsse dies auf die Fremdplatzierung allgemein und auf die Entscheidungskriterien bezüglich Fremdplatzierung im speziellen haben wird, versuchen wir vorweg zu denken.

Referate

Tragfähigkeit neuer Familienkonstellationen
Was steht auf dem Spiel?
Eric D. Widmer

Perspektive aufnehmender Einrichtungen
Die «richtige Massnahme» oder «richtig» Mass nehmen
Martin Bässler

Perspektive zuweisender Stellen
Landkarten für Wegbegleiter – Chancen und Risiken von Fremdplatzierungen
Jost Osswald

Fremdplatzierung zwischen Rettung und Zumutung –
zum biografischen Erleben von Kindern und Jugendlichen
Klaus Wolf

Fremdplatzierung und Maxime der ultima ratio!
Einfluss der Faktoren Politik, Wirtschaft und Planung
Christian Nanchen

Ausserfamiliäre Platzierung heute und morgen:
Welche Veränderungen bringt das neue Kindes-/Erwachsenenschutzrecht?
Diana Wider

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2011

100 Jahre Partizipation
Zwischen Utopie und Selbstverständlichkeit

Die Partizipation von fremdplatzierten Kindern und Jugendlichen ist gesetzlich gefordert und pädagogisch wertvoll. Dennoch zeigt sich in Erhebungen, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Kinder und Jugendlichen in Verfahren angehört werden. Nach wie vor werden Reglemente und Leitbilder in Institutionen oft ohne Mitwirkung der Bewohnerinnen und Bewohner erstellt. Dabei ist Partizipation ein Thema, das bereits um 600 v. Chr. die Geister weckte und vor 100 Jahren in der Pädagogik schon Beachtung fand. Ein Thema also zwischen Utopie und Selbstverständlichkeit? Doch meinen wir alle dasselbe, wenn wir von Partizipation reden?

Im Einführungsreferat der Tagung wird ein Bogen über die Bedeutung von Partizipation von Kindern und Jugendlichen im letzten Jahrhundert gesponnen. Es führt uns durch die Geschichte der Beteiligung in der Pädagogik und trägt zur Begriffsklärung bei.

Im Weiteren stellen wir das Modellprojekt «Kinder wirken mit!» vor. Es entstand aus den Quality4Children-Standards und wurde 2010 unter Mitwirkung von fremdplatzierten Kindern und Jugendlichen realisiert. Erste Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis bei, mit welchen Bausteinen Partizipation umgesetzt werden kann.

Partizipation bringt nur dann einen Fortschritt, wenn explizit herausgearbeitet wird, wer welche Aufgaben übernimmt. An einem Beispiel eines zuweisenden Dienstes sowie einer stationären Einrichtung erfahren wir, wie mit Partizipation umgegangen wird. Jugendliche aus der Berufsintegrationsklasse des Kinderdorfes beteiligen sich an der Diskussion.

Referate

Das Recht auf Gehör – ein Menschenrecht auf Partizipation?
Zwischen Pädagogik und Kinderrechten
Waltraut Kerber-Ganse

Perspektive aufnehmender Einrichtungen
Die «richtige Massnahme» oder «richtig» Mass nehmen
Martin Bässler

Partizipation in der Praxis
Zusammenspiel rechtlicher Aspekte und pädagogischer Ansprüche – Ein Beispiel
Annegret Wigger

Kindesschutz und Partizipation: zwischen Theorie und Praxis
Stéphane Quéru

Lassen wir sie beteiligen!?
Erfahrungen am Beispiel des Kinderdorfes Pestalozzi
A. Wölbitsch, P. Horber, M. Ullrich & Jugendliche

Tagung Plattform Fremdplatzierung 2010

Schnittstelle, Bruchstelle, Nahtstelle?!
Zusammenarbeit im Platzierungsprozess

Werden Kinder und Jugendliche fremdplatziert, geschieht das oft unter Zeitdruck. Es bleibt kaum Raum, das betroffene Kind richtig zu informieren, Rollen zu klären, Abläufe zu definieren und für das Kind, den Jugendlichen transparent umzusetzen. Doch: Sind die Weichen am Anfang richtig gestellt, kommt man ans gewünschte Ziel.

Was ist zu beachten, damit solch grosse Veränderungen für die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien sorgfältig gestaltet werden können? Wer sind die Beteiligten und welche Rollen und Aufgaben kommen zu welchem Zeitpunkt auf sie zu? Fragen, die man sich nicht erst stellen kann, wenn man handeln muss.

Integras startet eine neue Veranstaltungsreihe zu den verschiedenen Phasen der Fremdplatzierung. In der ersten Tagung öffnen wir den Blick für die Zusammenarbeit zwischen den stationären Einrichtungen und den zuweisenden Stellen; die Schnittstelle von der Entscheidung bis zum Eintritt des Kindes, dem Jugendlichen in eine Einrichtung. Wir stellen Modelle der Zusammenarbeit aus der Deutschschweiz und der Westschweiz vor. Sie zeigen auf, wie dieser Prozess bewusst und aktiv gestaltet werden kann. Jedes Kind und jede Jugendliche hat eine Biografie, Bedürfnisse und einen Willen. Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes formuliert, dass Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern getrennt werden, ihre Meinung äussern dürfen und diese angemessen und entsprechend Alter und Reife zu berücksichtigen ist.

Referate

Gestern verdingt, heute fremdplatziert – und morgen?
Ein Gang durch die Geschichte der ausserfamiliären Erziehung der Schweiz, aufbauend auf den Erfahrungen der Ausstellung Enfances volées – Verdingkinder reden
Basil Rogger

Perspektive aufnehmender Einrichtungen
Die «richtige Massnahme» oder «richtig» Mass nehmen
Martin Bässler

Kindeswohl und Kindeswille
Beteiligung von Kindern an den Entscheidungen einer Unterbringung
Jörg Maywald

Der Fremdplatzierungsprozess in Neuenburg
Frédéric Schallenberger und Jean-Marie Villat

Konzeption der Indikationsstellung, der Schittstellen und Kooperation mit den
Einrichtungen
Ein Modell aus dem Kanton Basel-StadtStefan Blülle